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Verkaufspferd Winnetou

Von Yvonne Salfner Eingestellt am 31.10.2017
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 Winnetou heisst eigentlich Neverio und war 2015 das erste Mal bei mir in Beritt. Wir haben in dieser Zeit die Grundausbildung etwas aufpoliert und am Boden sowie im Sattel die 7 Spiele etabliert und auch reiten in Kontakt begonnen. Auf Grund persönlicher Umstände wird er jetzt verkauft. Er ist ein toller Begleiter und für den richtigen Menschen absolut unkompliziert. Die weitere Ausbildung bei mir umfasst vor Allem das Reiten in Kontakt mit der Trense. Winnetou muss auf Grund seiner körperlichen Vorraussetzung gymnastizierend gespielt und geritten werden. Er ist sehr schön zu reiten und ein williger Mitspieler. Ich habe mich entschieden ihn bei mir auf zu nehmen und zu begleiten bis der richtige Partner gefunden ist. Denn ich fühle mich ebenso für ihn verantwortlich und er verdient einen super Platz. In den nächsten Wochen bereite ich ihn auf unser Parelli Tournament am 10.12. vor. Dort stelle ich ihn dem Publikum vor und hoffe dass wir bis dahin auch etwas zeigen können. An neuen Orten wird er gern etwas emotional und braucht einen Menschen der ihm dort hilft und einen Rahmen gibt in dem er sich entspannen kann.

11.11.17 Hinter Winnetou und mir liegen zwei bewegte Wochen. Er war in einem meiner Kurse zusammen mit meinem Working Student Nicole und wir konnten ihn den ganzen Tag beobachten wie er sich verhält in unsicheren Situationen. wenn zum Beispiel ein Pferd die Gruppe verlässt und aus der Halle geht oder ein Neues herein kommt. Dies macht ihm noch etwas Mühe und er muss sich dann etwas aufregen. Wenn dazu noch vor der Halle ein Traktor fährt wird er sehr emotional. Auch Pferde mit hohem Spannungslevel können ihn dementsprechend aus der Fassung bringen. Er wird dann kopflos und stellt um auf rechte Hirnhälfte, sprich auf Fluchtverhalten und versucht der Situation davon zu rennen. Ich habe ihn fast jeden Tag gespielt und geritten und versucht ihm zu zeigen dass ich trotzdem die Kontrolle über seine Füsse behalten kann. Indem ich ihm sage wann und wohin er sich bewegt und er sehr klar in den Phasen bleibe. Dies gibt ihm die nötige Sicherheit.

Die Osteopathin war auch da und konnte einige Verspannungen lockern. Beim Reiten im Savvy Finesse konnte er sich dadurch stark verbessern und wir sind dran ihn auch genug und richtig zu gymnastizieren. Den Kontakt zur Hand hält er aber nun schon sehr gut.

Gestern haben wir einen Ausflug mit dem Anhänger unternommen zu meiner Kollegin Anais Zimmermann und ihrem Projekt Ungehört-Pferden eine Stimme geben. Verladen liess er sich trotz Aufregung sehr gut nach anfänglichem Zögern. Während der Fahrt war er ruhig und auch nicht verschwitzt. Das Heu hat er aber während des Fahrens nicht angerührt. Bei Anais auf dem Hof angekommen habe ich Winnetou deshalt noch etwas im Hänger gelassen damit er sich entspannen kann und siehe da, das Fressen ging dann auch. Alles in Allem hat er sich vorbildlich und partnerschaftlich an dem fremden Ort benommen. Wir konnten sogar zum ersten Mal ein klein wenig im Savvy Liberty spielen.

26.11.17 Ich habe unser Liberty Spiel ausgebaut und auch daheim mehr in diesem Savvy gespielt. Winnetou ist ein lustiger verspielter Kerl, der das Spiel gern dreht und selber die Regeln bestimmt. Liberty ist in dem Sinne gut für ihn als dass er sich ausleben kann, denn auch sein Bewegungsdrang muss gestillt werden, als auch dass er lernt die richtige Lösung zu suchen und mit mir zu spielen anstatt gegen mich. Ich bemerke immer mehr dass er einen Menschen brauchen wird der bereit ist wiklich zu spielen, auch mit viel Energie und dennoch in der Lage ist, ihn in die richtigen Bahnen mit seiner Energie zu lenken. Hier unsere Videos von der ersten Liberty- Session bei Anais und dann die zweite bei mir in der Halle. Was für ein Unterschied!

27.12.17 Am 10.12. fand das alljährliche Parelli Tournament statt. Das Event auf das ich mit Winnetou die letzten Wochen hingearbeitet hatte. Die letzten beiden Wochen gestalteten sich als sehr herausfordernd denn unser kleiner Araber regt sich gern mal etwas auf und verspannt sich dann derart dass es fast unmöglich ist ihn zu reiten. Ich musste mir also noch knapp eine Woche bis zum Tournament ein Alternativprogramm überlegen wenn ich ihn gebührlich vorstellen wollte. Sancho muste also doch mit fahren. 5 Tage vor dem Auftritt entschied ich mich mit beiden zusammen zu fahren. Ich wollte Sancho reiten und Winnetou an der Hand mitnehmen. Dies sollte ihm genug Zeit geben sich an die ungewöhnliche Situation zu gewöhnen und wenn er sich entspannt könnte ich am Boden noch etwas erklären oder vielleicht sogar reiten. Ich dachte aber dass dies etwas utopisch sei bei den letzten Tagen die wir miteinander erlebt hatten. Verweigerung bis hin zu bocken auf einem kompletten Ausritt quasi ohne Pause. Sancho hat sich als super Partner wieder einmal gezeigt und bewiesen dass ich mich voll auf ihn verlassen kann und mich komplett auf den springenden und rasenden Araber am Seil kümmern konnte. Wir mussten recht lang vor der Halle im Schneegestöber auf unseren Auftritt warten. Zu dritt froren und stapften wir durch den Schnee bis es endlich losging. In der Halle hat Winnetou natürlich gleich erstmal grosse Augen gemacht. Mit unserem ersten Lied flogen wir nur so durch die Arena. Aber an einem gewissen Punkt sah ich ihn an und wusste es ist ok. So entschied ich mich doch noch auf ihm zu reiten und konnte meinen Freund in allen drei Gangarten auf jeder Hand zeigen. Ich war so stolz und glücklich dass wir das geschafft haben. 

Am nächsten Tag kam ich in den Stall und zu Winnetou. Zum ersten Mal in all der Zeit sah er mir direkt in die Augen und ich bemerkte dass sich etwas geändert hatte zwischen uns. In den Wochen bei mir hat ermich reiten lassen, wir haben gespielt am Boden und sind unterwegs gewesen aber immer hatte ich das Gefühl dass er nicht richtig bei mir ist. Er war brav aber er gab nichts von sich. Er hatte sich eine Mauer geschaffen und mich nicht richtig an sich heran gelassen. Am Tournament und durch unseren Auftritt dort hat sich alles geändert: Er war jetzt richtig mit mir. Was für eine Reise! Winnetou hat mir gezeigt dass es Zeit braucht, ich muss mich von meinen Zielen manchmal etwas verabschieden um sie am Ende zu erreichen. Loslassen. Den Dingen Zeit geben. Den Pferden Zeit geben. Den Menschen Zeit geben.

02.01.2018 Nun ist also der grosse Tag gekommen und ich werde meinen Freund Winnetou in sein neues Zuhause begleiten. Wir hatten am 31.12. noch eine sehr schöne Session zusammen und ich blicke auf eine insgesamt sehr schöne Zeit mit ihm zurück. Seine neue Besitzerin Sandra kennt ihn schon sehr lang und hat sich die letzten Wochen intensiv mit ihm beschäftigt um ihn wieder kennen zu lernen. Sandra ist zugleich auch seine alte Besitzerin. Winnetou war bei ihr als junges Fohlen bis er 4-jährig war. Am Tournament hat sie ihn wieder gesehen und wusste er kommt mit ihr heim. Sie war auch schon bei ihm bevor er zu mir kam. Allerdings gab es da grosse Missverständnisse zwischen ihnen beiden und es bedurfte mehr Vorbereitung und er war nicht "einfach so" reitbar. Die Voraussetzungen jetzt sind gegeben und ich freue mich die beiden weiter begleiten zu können. Winnetou, der jetzt wieder Neverio heissen wird, wird noch einige Lektionen für seine Besitzerin bereithalten undes wird nicht immer leicht sein. Ich denke sie ist bereit und wird diese mit Bravour meistern.

Tschüss Winnetou Neverio

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