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Ein paar Gedanken zum Pferdekauf:

Von Yvonne Salfner Eingestellt am 28.10.2015
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Die letzten Berittpferde die ich bei mir hatte, waren allesamt sehr junge, grüne Pferde. Meistens haben sie irgendwo eine Schnellbleiche bekommen oder irgendein Hobby-Pferdeflüsterer hat sie "ganz schonend" angeritten. Mit anderen Worten, ihnen wurde nie richtig erklärt, was sie tun sollen! Demzufolge kauft ein ahnungsloser Freizeitreiter das nette kleine Pferdchen. Man konnte schliesslich ohne Sattel und mit Halfter draufsitzen und etwas rum reiten... Nach nicht allzu langer Zeit beginnen die jungen Pferde nachzufragen ob sie denn das alles wirklich tun müssen und der Freizeitreiter weiss nicht was antworten, geht mal in diesen und jenen Kurs und probiert sich weiter an seinem Flickwerk. Die Situation eskaliert schliesslich mit irgendeinem Unfall und man beschliesst das Tierchen zu verkaufen. Es funktioniert einfach nicht, die Partnerschaft stimmt nicht. Sicher gibt es jemanden der besser zu ihm passt und damit umgehen kann und somit geht es munter weiter. 4-5 Besitzer bei einem 10-jährigen Pferd ist keine Seltenheit.

Natürlich kann es wirklich sein, dass die Charaktere zu verschieden sind, die Anforderungen des Pferdes an seinen Menschen zu hoch und wir dem nicht gewachsen sind. Wir brauchen keinen Ferrari zur Sonntagnachmittags- Ausfahrt mit der Familie! Das heisst also ich muss mir bereits im Vorfeld überlegen, was für Ansprüche habe ich an meinen zukünftigen Partner. Und welche Ansprüche bringt er mit? Ein solid ausgebildetes, verkehrsicheres Pferd, schmiede- und verladefromm und kinderfreundlich KANN nicht 4 oder 5-jährig sein. Wann hat man ihm das alles beigebracht? Auch haben sie erst ab einem gewissen Alter die Reife und Routine eines zuverlässigen Pferdes. Und dies ist erst ab 8 Jahren aufwärts! Ich arbeite nun seit 4 Jahren tagtäglich mit Menschen und Pferden, damit sie eine bessere Partnerschaft eingehen können. Ich habe viele Erfahrungen gemacht und kann gut abschätzen, was der Mensch selber zu Stande bringt und wo ich eingreifen muss und eventuell das Pferd zu mir nehmen um den beiden zu helfen. Manchmal sieht man aber auch, dass man nicht helfen kann und in dem Fall wäre eine Beratung vor dem Kauf sehr viel sinnvoller! Man sollte sich im Klaren sein, dass man ein Pferd, dass man kauft, ausbilden LASSEN muss. Diesen Fakt muss man mit einberechnen. Ich kaufe ja auch kein Auto ohne Motor, um diesen dann eigenhändig ein zu bauen, weils soviel Spass macht. Ich kann wahrscheinlich eine Lampe wechseln oder einen Ölwechsel machen... aber der Motor.... das wäre fahrlässig und lebensgefährlich. ich stelle mir also vor, dass in einer idealen Welt, sich jemand der sich ein junges oder nicht mehr so ganz junges Pferd kauft, ein paar Dinge zu Herzen nimmt: Eine professionelle Beratung und Begutachtung nicht nur vom Tierarzt, sondern auch einem Mensch-Pferdetrainer. Ausbildung durch denselben nach dem Kauf für 2-3 Monate, mit Einbezug des neues Besitzers und weiterführende begleitende Unterstützung nach Abschluss der Ausbildung. Ich glaube, dass sich durch eine solche Herangehensweise viele Missverständnisse, Unfälle und Weiterverkäufe vermeiden lassen! Also denkt nach bevor ihr kauft und seid euch sicher, dass ihr diesen Aufwand (finanziell und mental) bringen könnt. Im Nachfolgenden möchte ich euch über die Geschichte von dem 4-jährigen Freiberger informieren und auf dem Laufenden halten. Der 4-jährige Wallach ist nun seit 6 Monaten im Besitz der neuen Halterin. Er hatte eine lückenhafte bis gar keine Ausbildung und wurde durch das für seine neue Besitzerin eher zum Albtraum, statt zum Traumpferd. Schon Anbinden, Hufe geben, sich führen lassen sind problematische Themen. In ein paar Einzellektionen konnten wir zwar schon etwas daran arbeiten, aber der Wallach fragt zuviel nach, als dass sich das in privaten Unterricht lösen lassen könnte. Sie ist ihn seit Wochen nicht mehr geritten und all das hat zu Beginn mal etwas funktioniert. Da sieht man also deutlich, wie ein junges Pferd alles in Frage stellt! Mit einer soliden Grundausbildung am Boden und im Reiten in den nächsten 4 Monaten soll dem Abhilfe geschafft werden. Parallel wird die Besitzerin selber weiter geschult mit meinen Lehrpferden hier auf dem Rebberghof. Ich werde euch auf dem Laufenden halten.  

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